Meine Familie in Calera

19 05 2010
 

Achtung Doppelpost 😉

Also, der Grund, wieso ich schon wieder schreibe. Ein argentinisch- chilenischer
Zimmermann sollte mir eigentlich schon seit Tagen anrufen. Traditionsgemaess
hat er nicht Wort-gehalten,  und irgendwie bin ich zu stolz, jenem hinterherzulaufen;
wenn er nicht will, soll er mich doch…
Soll er doch selber schauen wie er weiterbauerta…grmbl…

Die „freien“ Tage habe ich damit ueberbrueckt, im und ums neue Haus ein wenig zur
Hand zu gehen. Holzhacken, Fensterglas in absolut mies-geschreinerte Fensterraehmen
zu montieren, Silikonfugen zu ziehen usw…

Jetzt habe ich nichts mehr zu tun und nutze die Zeit um a weng zu schreim.

P1030511

Leo, Edith, Miguel, crasse Siech und Isma

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Grund, wieso ich mir Calera noch weiterhin antue ist simpel. Ich liebe meine „Familie“
und sie liebt mich. Zu Miguel (Papi 2) habe ich gesagt: „Schau, es ist simpel, finde ich  keine
gute Arbeit (d.h. als Zimmermann oder etwas das mir sonst Spass macht), nomadisiere ich
einfach weiter.“ Seither ist vor allem Er sehr darum bemueht, eine Arbeit fuer mich zu finden,
weil sie nicht wollen, dass ich gehe (Habe ich von Edith (Mami 2) erfahren).

Es ist schon sehr speziell, wie man manchmal Leute, einfach so kennenlernt und schlussendlich
schon fast dazu geneigt ist zu bleiben.(ebe nur fascht,  irgendwenn willi wiiter, ad waermi 😉 )
Meine Familie (inkl. den beiden Soehnen von Miguel, Ismael und Leonel) lernte ich so kennen:

Schild gesehen „Kung Fu“. Trainieren gegangen und dann ein paar von denen (die wollten) zum
eis go zieh iglade. Miguel meint, wir sollen zu ihm nach Hause (die beiden Soehne trainieren auch)
Am naechsten Trainingstag hat Herman Geburtstag; obwohl ich ihn noch nicht kenne, nehmen die
anderen mich zu ihm mit. Mit Herman freunde ich mich an, und ich bin oft bei ihm Sonntags eingeladen
(Asado, Huehnchen al Disco, oder letztes mal extra fuer mich: Tatu (gegartes Guerteltier)…voll geil!!!).
Miguel, den ich immer besser kennenlerne, laedt mich dann an einen Geburtstag des Onkels seiner
Freundin Edith ein (der bolivianischer Herkunft ist). udsoweiterundsofortundwennsienichtgestorbensind

Irgendwann (ich schlafe immernoch auf dem Camping in meiner Haengematte) schreibt Miguel  mir ein SMS
ich solle zu ihm nach Hause kommen, es seie zu kalt um auf dem Camping zu schlafen. Oookay…und seither
wohne ich permanent da, verstehe mich ausgezeichnet mit allen. Zahle keine Miete, versuche aber mich ein
wenig nuetzlich zu machen. Helfe denn kleinen (15 und 16 Jahre) beim Englisch, koche ab und zu, oder
braue Gluehwein (hani gester gmacht) und habe schon nach dem abschecken die Lampe voll 😀
Oder werkle ein wenig am Rohbau rum…

P1030508 Edith,Ich, Isma und Leo


Ostblock laesst gruessen

18 05 2010

Hoi mueslis

Es ist kaelter geworden in La Calera, Cordoba. Und ich waere wirklich schon laengstens weitergezogen, wenn mir die Leute hier nicht so am Herzen liegen wuerden (jawohl, ich ha eis). Taeglich koennte ich mir den Nuetschl an die Wand haemmern, weil ich nicht mehr Ware aus der Schweiz mitgenommen habe.  Es ist zwar nicht sooo kalt wie bei uns, aber die Haeuser (darf man die schon so nennen? ) sind so scheisse, dass drinnen teilweise kaelter ist als draussen (das ist an sonnigen Tagen so zwischen 11.00 und 15.00 der Fall).

Lange Thermounterhosen, Schuheinlage mit Alu-Folie und Kokosfaser, dicke Wollkappe und Arbeitsjacke….seufz…

Das Haus in dem ich lebe hat 2 Eingangstueren, und beide sind kaputt. Sie lassen sich nur sehr schwer oeffnen und schliessen, das bedeutet das schoen frische Luft reinstroemt, wenn jemand mal „rasch“ rausgehen muss…In meinem Bett, welches mit 5 Decken ausgestattet ist, finde ich aber warme Zuflucht. So, genug geflennt.

Vor ein paar Tagen hat mich Nikolaj, ein, vor 15 Jahren eingewanderter Ukrainer, angerufen. Er offeriert mir Arbeit (jedenfalls habe ich das so interpretiert, sein Spanisch ist noch spezieller als meins…). Oooke. Nikolajs
Wagen ist, nein kein Trabi, ein Lada echt russischer Herkunft. Mit Nikolaj fahre ich ein paar Werst Richtung Bialet Masse, das liegt gerade noch in der Reichweite des „Oekomobils“

Ich bin mir ja einiges gewoehnt, was Genauigkeit in Suedamerika angeht. Aber Nikolaj toppt alles…

– „Schnijeide Brjett Sjenkel“ (etwa so toent Nikolaj’s Sprache, in Deutsch uebersetzt „Schneide das Brett im Senkel ab“
-“ Hast du eine Wasserwaage oder ein Lot“
-„Njet, nach Auge“

Nikolaj ist ein gemuetlicher Typ, aber seine Arbeitsweise ist mir dann doch zu wider. Er schneidet Gehrungsschnitte (=> schraege Schnitte) in der Luft, bauert die Daemmung hin und leimt mit Zweikomponentenkleber Blech an Backstein aus mangel an Silikon.
Die Berechnungen von Sparren, Blech und Latten stimmen etwa so wie meine Integralberechnungen damals (ich war nicht der mit dem Uebernamen „Gauss“)

Wenn Nikolaj sagt: „Terminjar Corte y poner algo en Boca“ (=>Schnjitt fertig und etwas in den Mjund stjellen“) ist Mittagspause.
Immerhin Nikolaj haelt Wort und bezahlt mich sehr gut; meine groesste Sorge war, meiner Knete hinterherrennen zu muessen.

So, mal wieder ein kurzer eintrag.

Sowjetomobil Sowjetomobil

Macheds guet!

Gringo



Dingsdrums oder KZU Revival

29 04 2010

La Calera, Cordoba

Liebi Luet

Es ist wiedermal so weit um die Internetwelt mit meinem Spam zu uebrefluten. Einsatzbereit hocke ich jetzt da, mit einer Tastatur die mehr klemmt als mein verpilzter Becher an der Trinkflasche in der RS….

Meine letzen Tage waren seeehr abwechslungsreich, da ich nicht sooo viel und regelmaessig gearbeitet habe. Daher hatte ich Zeit fuer vieel anderes.

Aetzen: Zu meiner allgemeinen Selbstvertiefungsarbeit (SVA laesst gruessen 😀 ) rund ums Messer schmieden, habe ich mich auch im Messeraetzen versucht. Miguel (bei ihm und seiner Freundin Edith wohne ich) arbeitet mit Saeuren…

Also Aetzen bedeutet in meinem Fall: Polierter Messerstahl mit wachsartigem Film ueberziehen und danach etwas Zeichnen (Gruess vom Gafi). Das Gekritzel wird dann in Sauere getunkt (ohne Finger wenn moeglich) und dann wird das Zeugs eingeaezt, graviert wie auch immer.

Miguel bringt mir die Saueren mit. Interessant fuer das Messeraetzen sind: Salzsaeure (HCl) und Salpetersaeure (HNO3). Das ganze „harmlose“ Zeugs wird dann zu einer Ultra-Sauere zusammengeshackt die sich Aqua Regia heisst (eine der einzigen Saueren die Gold aufloesen kann…daher der Name) und besteht aus 1x  HNO3 und 3x HCl. Da ich bei Frau Giogetta und Frau Mueller lieber Tetris gespielt als zugehoert habe, kann ich die Summenformel nicht herstellen 😀 => Wikipedia

Abbildung aus "der kleine Chemiker" Edition 3. Welt

Abbildung aus "der kleine Chemiker" Edition 3. Welt

Auf jedenfall frisch gemixt, natuerlich mit allen Schutzvorrichtungen (siehe Artikel zur Arbeit in Suedamerika). Aqua Regia war erst hellgelb/ goldig, nach einer Stunde gruen, und nach ein paar Tagen rot…heute hab ich zum ersten mal probegeaetzt. Meinen Zimmermannshammer verziert; auf jedenfall stinkt Aqua Regia (Koenigswasser) zimli grusig, so irgendwie nach Hallenbad aber vill wuester. Durch einen Unfall habe ich auch gerade eine neue Art von Diaet und Gewichtverlust erfunden 😉 . Einfach HCl auf verfettete Stellen streiche, fertig 😀
(Jetzt bitte a alle Mongos oder solche aus Uebersee (also vo eu us), DIES WAR EIN SCHERZ, BITTE NICHT NACHMACHEN!)

Guet, gnueg Mist gschribe…Letzes Wochenende war ich wie so oft, mehrfach eingeladen (d.h. ich habe mich dann fuer den Uebaraschungs-Geburtstag entschieden). Da Herman seine Frau ueberraschen musste, kannte ich anfangs niemanden. Natuerlich bin ich als einziger Gringo wieder aufgefallen. Como mosca en un vaso de leche (wie eine Fliege im Glas Milch).
Als ich dann erst noch son Scheiss-Plastikstuhl (der schon marod war) kaputtgemacht habe (vorher habe ich mich verzweifelt darum bemueht, das Gleichgewicht zu halten und das abrutschende Plastikbein zurueckzubehalten), bin ich erst recht die Mosca gewesen.

Nach dem Essen sind dann standesgemaess alle Hindernisse aus dem Weg geputzt worden und die Tanzflaeche freigegeben worden.

Diego: #Rettungswurf hinter Theke#.

Leider hat alles Festhalten am Drink nichts genuetzt. Wie ein Stueck Raubgut wurde ich auf die Tanzflaeche gezerrt. Und da bin ich, mit einigen Ausreissern, auch gewesen bis um 7 Uhr am Morgen. (nicht weil ich eingeschlafen waere. das TANZEN hat dann aufgehoert). Hat auch sehr Spass gemacht, und ich bin jetzt ein bisschen fitter was tanzen angeht.

 

shake it babe

shake it babe

Ja und sonst….hat Miguel noch Geburtstag gehabt, und ich habe ihm logischerweise ein Messer geschenkt. Da er (oder sie beide) absolut nie etwas fuers Wohnen und Essen verlangt haben; im Gegenteil; ists dann auch ein Messer aus Spezialstahl (O1- steht fuer Oilhardening (Nach dem Feuer im Oel abloeschen)  und erster Stahl in der Folge) geworden.
Wie zwei kleine Kinder, die gleich Dresche kriegen, sind Osvaldo und ich beim abschrecken des Stahls dagestanden und haben auf das „Krack“ gewartet, welches andeutet, dass die Spannung im Stahl zu gross geworden ist, und die ganze bisherige Arbeit futsch. Entstanden ist eine harte (je haerter desto krack) Schneide mit einem Schliff de la mil puta madre (Uebersetzung fehlt aus jugendstrafrechtlichen Gruenden). Dieser Schliff hat alles was ich bisher gesehen habe, in Schatten gestellt.

Messer aus O1- Stahl mit Horngriff und Roseniete

Messer aus O1- Stahl mit Horngriff und Roseniete

 

Macheds Guet!

Ghetto



Feria International de Artesania

6 04 2010

Cordoba Capital

Krassi Aasage…die groessti und bekanntischti kunsthandwerklichi Ustellig in ganz Suedamerika und de chli Gringo wo vo Tute kei Ahnig haet mittedrin…STAFF…verstaht sich…
so ischs recht =)
Die ganz Uusstellig umfasst ueber 700 Staend und zum sich das ganze gemuetlich inezzieh, brucht mer wohl me als en ganze Tag.

Es haet Kunsthandwerker vo ueberall in Suedamerika. E Fundgrueb vo gmuetliche Luet fuer Connections 😉

Tja, und was mach ich de ganz Tag det? Gueti Frag, ich weisses selber neod so gnau. Stahne hinderem Trese bine paar Messer (shet au es paar us Damaszener- Stahl (was wohl das hoechste aller Gefuehle fuer en Schmied isch)), rede chli mite Luet und luege zue, dasi ab und zue es Messer cha vertigge… Zwueschedure gahni irgendwelchi anderi Staend go bsueche, chli Mate suufe und rede mit de Luet. Ganz chilligi Sach

(und ja nebedbi bemerkt, kei ahnig wieso dasi noed die gummihaelsischi Sprach benutze)

S’beste aber: Bini chli al pedo gsi (= ueberfluessig, glangwiilt)

Unser Stand... Mit dem Meister

Unser Stand... Mit dem Meister

Denn hani gseh „Kung Fu“. Guet, bin ine, nach Trainingsziite gfroegt. Und denn gange. (natuerlich ganz en andere Stil, aber egal. Besser als immer hinderem Stuerrad zhocke).
Was ich fuer GEILI luet kenneglernt han….Unglaublich.
Scho zum x-te mal bini iglade worde (Asado, Pollo al Disco (Poulet; kocht inere grosse Pfanne mit Tomate, Zwieble, Wiiswii oder Bier…)), wohne im moment grad bi einere Familie und froege mich ab und zue, womit ich das ganze verdient han. Isch echt de Hammer!! Au de eint oder ander Moment vo Heiweh isch somit schlichtweg killt.
Da ich eu noed laenger wett langwiile hoer ich uf schwaerme, aber sisch echt unglaublich wie guet ichs mit dene Luet han, und das obwohl ich noed emal dere ihri Fruende kennt han oder anderswitig connected gsi bin.



Schmieden – oder auf Eisen rumhaemmern

20 03 2010

Zwischen Villa de las Rosas und San Javier, Provinz Cordoba
Immernoch verbringe ich meine Tage bei Patricio und seiner Familie. Da wir mit allen kleinen Fummlidrummlis fertig sind und keiner „richtigen“ Arbeit nachgehen koennen, habe ich Zeit um ein wenig zu Schmieden.
Respektive: Das Schmieden ist ein sehr komplexes, jahrtausendealtes Handwerk; deswegen ist „schmieden“ schon sehr hochgegriffen.
Ein bisschen theoretisches Wissen zu haben und mit einem Hammer auf rotgluehendem Eisen rumzuhaemmern wie ein Vollweicher genuegt da nicht…

Auf jedenfall; Patricio gibt mir eine kleine Einfuehrung. Auch er ist kein Schmied, sondern hat es auf argentinische Art (zuschauen und nachmachen) gelernt.
Zwei Hufeisen werden ueber Feuer erhitzt (fuer genuegend Sauerstoff sorgt ein Kompressor); spaeter auch Bunsenbrenner erhitzt.
Es ist gar nicht so einfach, teilweise en huere Stress. Mit fahrigen Bewegungen, greife ich mit der Zange das gluehende Eisen. Oft faellt es runter; wenn ich das Teil endlich auf dem Amboss habe ist es auch schon nicht mehr rot (also gut zum haemmern und formen verwertbar). Dann heisst es „Ritorno subito, und noch eins mal“.
Nochmal heiss gluehen lassen, in zwischenzeit T-Shirt ausziehen, das Teil mit der Zange greifen, nochmals nachgreifen weils nicht gut klemmt (und den „Haende-Zuhilf-nehmen“-Reflex unterdruecken 😀 ). Auf den Amboss, nach Hammer greifen und dann druffkloppe und versuchen, das Eisen irgendwie grad zu kriegen; nicht windsch, nicht schraeg…gar nicht so einfach.
Mit der Zeit geht es doch…In meinen PC- Spielen ist „schmieden“ jedoch sehr viel einfacher gegangen 😉

P1030273

Meine zwei Rohlinge (aus einem Huf geschmiedet; also aus Eisen)

 Alsbald wird mit der Flex, Schleifband usw solange am Eisen rumfurwerkelt, bis sich eine brauchbare Grundform ergiebt. Das ganze Eisen wird nun heissgemacht („anlassen“ heisst das wenn ich mich nicht irre; Schmiede bitte melden 😉 ) bis es Rot glueht und dann im Oel (oder der dreckigen Fluessigkeit; Oel wird vermutet; die wir genommen haben) abgeschreckt.

Dann wird ein Rostschutzmittel (Mein Material ist Eisen, oder gilts nach dem Anlassen schon als Stahl??; das waere demfall Kohlenstoffstahl, der nicht rostfei, dafuer umso schaerfer ist) am spaeteren Griffstueck eingeschmiert.
Dann wird der Griff fabriziert; bei meinem Archaio-Messer eine simple Schnur; beim zweiten ein komplexer Holzgriff. Macht man einen Griff muss sehr exakt gearbeitet werden, da man spaetere Fehler sieht…

Griff montieren, und Grobschliff der Klinge ausfuehren (langsam aber sicher gehts fuer mich in bekanntere Gewaesser). Ideen und Spinnereien einbauen.

Und dann ueber dem Abziehstein fuer Feinschliff sorgen. Rasierprobe erfuellt, Glueck gehabt 😉  Experiment gelungen, wobei sich wohl jeder Schmied den Kopf gegen die Wand haemmern wuerde.

Hat sehr viel Spass gemacht, ein bisschen mehr als bei der annodazumaligen USSR (unterdrueckte Schmueckli -Schmiede Ribis ->KZU Insider)

P1030275

Mein erstes Messer...aus der Eisenzeit 😉

 

mein zweites Messer. Man sieht noch die Loecher des Hufeisens

mein zweites Messer. Man sieht noch die Loecher des Hufeisens

Patricio erzaehlt mir auch, dass er einen Freund hat, den er aus der Feria (=Ausstellung; beide sind Kunsthandwerker). Jener fabriziert hauptberuflich Messer. Und somit ist auch meine naechste Station gefunden, dank Patricio. Messer ich komme…JIPPIIII!

Macheds guet!



Addon: die Seite spinnt wohl

19 03 2010

Jetzt versuche ich zum x-ten mal bilder hochzuladen und jedesmal habe ich weniger. ich probiers drum hier nochmals.

Shaving Waldrim erfuellt...leider unguenstig gegen Moskitos :(

Shaving Waldrim erfuellt...leider unguenstig gegen Moskitos 🙁

P1030281



Suedamerikanische Oekonomie oder „Back to the Roots“

10 03 2010

 Zwischen San Javier und Villa de las Rosas, Provinz Cordoba

 Seit der letzten Woche, bin ich jetzt bei einer argentinische Familie einquartiert. Hier arbeite oder „arbeite“ und wohne ich. Am Anfang wohne ich in einer Cabaña; die normalerweise fuer Touristen gedacht ist. Sie ist MEGA MEGA SCHOEN. Vor allem kuenstlerisch extrem beeindruckend. http://www.cabanias.com/cabs/mostrar.asp?id=patricio (leider ist das WC = Highligt nicht drin) Das ganze Anwesen liegt etwa 30Meter ueber dem normalen „Waldspiegel“ und man hat eine geniale Aussicht. Ein paar Tage spaeter werde ich da ankommenden Touris aus dem Haeuschen vertrieben.
Auf jedenfall, schaut Patricio sofort nach Arbeit fuer einen Zimmermann. Er selber ist gelernter Turnlehrer, arbeitete Jahre als Kunsthandwerker, vor allem mit Kupfer und ist jetzt langsam so ins Schreiner und Zimmerhandwerk abgedriftet; wohl aus finanziellen Gruenden.
Der langen Rede kurzer Unsinn:

Seit etwa 2 Jahren geht die Primarschule in San Javier ihm schon auf den Sack. Der Grund: Sie brauchen unbedingt ein Regalgestell mit Tueren. Geld vorhanden ist natuerlich keines. Moebel….und ausgerechnet ich…toll 🙁

Na gut. Dann haben wir halt ein paar Tage gemoebelt. Das Ganze geschieht ehrenamtlich. Einerseits aus diesem Grund; andererseits wird in der Schweiz zuegiges und somit rentables Arbeiten gelehrt;  habe ich eine schnelle Loesung angestrebt. Nicht so Patricio. Er hatte keine Probleme damit, sich stundenlang mit irgendwelchen Ideen rumzugammeln und sich dann schliesslich doch nochmal umzuentscheiden. So habe ich ihn (und er mich) dann auch auf den Arm genommen mit extrem uebertriebenen Ideen. Dummerweise hat er viele von denen noch gut gefunden (Kuenstler eben) und realisiert…

Schlussendlich, nach nicht enden wollender Zeit,  ist das Regal inklusive Tueren mit Kunstgriffen dann doch noch zustande gekommen. Es ist wirklich SCHOEN geworden, auch wenn ich es nicht so gemacht haette.P1030263
Abgesehen von voellig verschiedenen Arbeitseinstellungen, macht das Arbeiten mit Patricio wirklich Spass. Kommen wir auf die Baustelle, wird zuerst mal ein Mate gezuzzelt. Haben wir Lust, setzen wir uns und reden ueber Gott und die Welt. Oder machen dumme Sprueche.

P1030260

Links: Ich; Rechts: Patricio mit wichtigstem Werkzeug; Hinten: Tueren vom Regal

Nach getaner Arbeit instruiert Patricio (der auf Du mit der ganzen Schule ist) noch die Schueler im Umgang mit dem neuen Moebel. Die Kruemelmonster sind zwischen 6-8 Jahren alt. Es paar sind herzig 😉

Und dann gehts auf zur naechsten Baustelle. Auftrag hier; man glaubt es kaum; Baumstaemme behauen per Dechsel (Also nicht mit der Breitaxt wie anno dazumal ueblich bei uns).
Es geht darum, dem Dach ein spezielles Aussehen zu verleihen (damit meine ich nicht das fachlich falsche Bauen, wie es hier leider oft vorliegt). Stichwort „Rustico“.
Aufgehts! Da die Axt doch recht unerotische Scharten ins Schienbein schneiden kann, lege ich blecherne Schoner an. Scheppern tut das ganze wie bei der Schlacht von Morgarten. Meine vom Reisen doch recht baby-fudige Haende, sind sich die derbe Arbeit nicht gewohnt und ich kriege blasen (JA! das gits au bi mir ;))
Abwechselnd axtet einer, der andere schleift glatt. Die ganze Morerei fuer 10Peso pro Meter (das rentiert selbst hier nicht). So arbeiten wir auch bis abends spaet. Unterbrochen wird das ganze mit Matepausen und Gespraechen und Spaessen mit den Maurern

P1030271

Don Diego de la Sierra mit Patricio ganz rechts und zwei Maurerkollegen

Ratet mal wer nachher das Dach baut…RICHTIG. Der Maurer (das waer dann dem Zimmermann ins Gsicht gseicht). Janu,  mit dem Kackrundholz wetti eh keis Dach mache :p
Da es hier wenig Bauholz und Holztradition gibt, machen ein paar Handwerker (die den Rest offerieren) gerade alles (vllt ohne Installationen) und das sind eben in der Regel Maurer.

Soviel zum Thema Oekonomie, Arbeitstrennung und Tradition!

Ich wuensch eu!
Huet soells aschinend ufde Baustell en Asado als Richtfest gaeh mit brutal vill Fleisch und zsuufe. Muesi unbedingt ane, macheds guet! 😀



Fútbol Argentino

2 03 2010

Olta, La Rioja

Ein recht abgefuckter („Diego! Wie redsch au du!“ – „Sorry Mami, aber er isch wuerklich abgfuckt gsi) Campingplatz darf ich hier in Olta, einem 8000- Seelendorf  zwischendrin mein Zuhause nennen. Keine Dusche (Respektive alles herunter“gewirtschaftet“, kein Heiss-Wasser und weit und breit keine Mitcamper). Gut, alleine Haengematte aufgehaengt. Im dreckigen, guiness-farbigen Wasser des Pools und nebendran auf der Strasse findet ein Triathlon und Biathlonwettkampf von kleinen Kindern statt. Als das Affentheater vorbei ist bleiben viele Leute…
Ich wundere mich ein wenig…spaeter wird klar, jetzt wird Fussball gespielt, und das von Frauen! Von den Spielerinnen koennte sich der FC Nebelkraehe ein Stueck abschneiden!! Aber alles ist nur Plausch. Ich setze mich denn auch mit meinem Linseneintopf und einem Klappstuhl in die Reihe der Zuschauer (Der Fussballplatz ist auf dem Camping)

Langsam aber sicher bin ich muede. Es ist auch schon elf Uhr; die Herde hoert mit Fussballspielen auf, es ist ja auch Sonntag, und morgen ist schon wieder der verfluchte Montag; es ist also an der Zeit mit Spielen aufzuhoeren.

Schon fast einen Fuss in der Haengematte fragt mich einer der Schiedsrichter (stellt euch vor, nur Plausch und es gibt ausser dem Schiedsrichter noch 2 Linienrichter mit Fahne!), was die Haengematte fuer ein Teil sei.
Wir fangen an zu reden und er sagt zu mir :“ Wenn du moechtest kannst du mit uns Fussball spielen kommen“ – „Okay, ich hatte aber vor morgen abzureisen, wann spielt ihr?“ – „Jetzt im Anschluss!“

Ich denke mir noch „Es ist 2300, morgen ist Arbeitsanfang und wir „gehen“ noch Fussball spielen…? Okay, bin nicht zuhause“
Schnell wechsle ich Kleidung und ab geht die Party. Er nimmt mich mit zu einem anderen Fussballplatz (wobei beide Plaetze aus staubiger Erde sind; kein englischer Rasen), wo seine Schueler und deren Freunde spielen.
Sie sind mir zwar technisch und konditionell ueberlegen, da staendiges Autofahren nicht wirklich zur Staerkung der Pumpe beitraegt. Ich versuche mein Defizit jedoch mit kaempferischem Einsatz wettzumachen.
ES WAR ECHT SUPER! EIN TOTAL SPANNENDES SPIEL!

Die Argentinier spielen zwar manchmal ein wenig egoistisch und ihr Passspiel laesst manchmal ein wenig zu wuenschen uebrig, sie sind aber Balltechnisch enorm ueberlegen.

Dummerweise habe ich nicht auf die Uhr geschaut, aber es muss zwischen 2 und 3 uhr morgens gewesen sein, als wir aufgehoert haben zu spielen. Ich wasche mich noch (duschen geht ja nicht) und schlafe tief und fest…

Macheds guet! Vermisse d’Schwiiz echli!

Diego



Pferdesteak die zweite…

28 02 2010

P1030206kP1030212kP1030222kP1030209kP1030228kValle Fertil / Valle San Agustin, San Juan

Eigentlich wollte ich im Parque Nacional Ischigualasto (= Valle de la Luna /Mondtal), Trekking betreiben und mir die verschiedenen, sehr interessanten Dinge reinziehen. Da aber in Vergangenheit gewisse Leute beispielsweise Dinosaurierknochen einfach mitgenommen haben und an europaeische Museen zu verticken, darf man da nurnoch mit Fuehrer rein…soviel mal zu meinem Freund dem Menschen…

Also, Ersatzprogramm reinpfeifen. Valle Fertil ist halt dran.

Ausgangslage

Die Zone hier ist ein wenig feuchter als die Umgebung aber immernoch sehr arid (=trocken, fuer NF-Idioten). Ausgetrocknete Flusslaeufe, Kakteen an den Haengen und dichter, dornenbewehrter Strauchwald bestimmen das Landschaftsbild.
Ein verschwundener Indianerstamm hat hier gewisse Hoehlen, Zeichnungen usw hinterlassen, mal schauen ob ich Manitou noch naeher komme.

Leider ist in Vergangenheit ein Trekker mit seinen beiden Kolleginnen umgekommen, weil sie in einem ausgetrockneten Fluss (sogenanntem Wadi) gecampt haben. Weiter oben hats geregnet und sie sind fortgespuelt worden, gefunden hat man nur noch den Jungen…Konsequenz daraus, wie leider allzuoft in Argentinien: Verantwortlich ist man nicht mehr selber, sondern die Polizei. Sie macht allabendlich Patrouillen durch das Gebiet und nimmt Wildcamper mit (obs Busse gibt, ist unbekannt); ueberall stehen Schilder, dass man nicht campen darf.
Konsequenz fuer mich: ungesehen, ungehoert

Probleme sind das fehlende Wasser; das ich leider zu 100% schleppen muss; der sandige Untergrund der mir das gehen erschwert und eben die Teletubbies.
Der Flora wegen mache ich mir weniger Probleme: Es gibt Pumas und auch ein paar Schlangen: Die echte und die „falsche“ Korallenschlange (wobei mir die nicht-originale symphatischer ist, eine Klapperschlangenart, die Yarara (ein aggressives Mistvieh, das ich aus Misiones kenne), Laura irgendwas, und eine weitere mir unbekannte Schlangenart.

Ausruestung

Da ich ein Fan von Ultraleicht bin, nehme ich auch nur das Noetigste mit. Tarp/ Poncho, Schlafsack und Matte Industria Argentina (Auweiha: der Schlafsack ist aus Baumwolle! und die Matte sonst son Billigteil; wenn ich da an Ausruestungsgegenstaende aus Europa denke, kommt mir das Augenwasser…), ein wenig zu Futtern, 3,5l Wasser. Somit hat es sich im Grossen und Ganzen, der Rucksack wiegt so etwa 8kg wobei 3,5kg Wasser sind.

Die Machete (Buschmesser) bleibt im Auto….ein grober Fehler wie sich spaeter herausstellt.

Trail

Bei bestem Wetter wandere ich das erste Tal hinauf. Der Untergrund ist sandig, ich folge einem Flusslauf aufwaerts, der groesstenteils ausgetrocknet ist. Wunderschoene Felsformationen und darin wachsende Kakteen kann ich bewundern. Leider gibts davon kein Foto, weil meine Cam spinnt…das Objektiv geht nicht von alleine auf, und darum kackt sie normalerweise ab…hmpf

Das Tal oeffnet sich, da ich einerseits ungesehen infiltrier-wandern will (geils Wort :D) und anderseits ein bisschen Vegetation sehen moechte, weiche ich in den Buschwald aus. Leider ist ein Grossteil der Pflanzen mit argen Stacheln bewehrt, vom Typ DDR- Stacheldraht. Immer wieder verfaengt sich meine, aussen am Rucksack angebundene „Isolier“matte mit den Stacheln und endet immer als Verlierer. Wenns so weitergeht darf ich auf Fetzen uebernachten…grmbl.
Immer wieder hat es so eine Art wege, wo keine Pflanzen wachsen. Diese Enden dann ploetzlich…so bleibt dem Herr von und zu nichts anderes uebrig, als wieder zurueck zu tschalpen; weil er die Machete nicht mitgenommen hat. Der Irrgarten zieht sich so denn ganzen Tag durch, zum Glueck ist der Weg das Ziel. Immerwieder sehe ich einige Tierchen, zum Beispiel Heuschrecken an bestimmten Straeuchern.

Nach ein paar Stunden Ebene, bilden die Huegel ein weiteres Tal. Gehen ist nur in der Naehe des Tals moeglich, da gegen die Haenge alles undurchdringlich zugewuchert ist. Aus der Distanz sehe ich einen Tuempel und denke bei mir :“ Ich naehere mich langsam, vielleicht ueberrasche ich ein paar Tiere beim saufen“
Tja, schoen waers, die Realitaet schaut leider anders aus. ICH bin derjenige der ueberrascht wird. Von der anderen Seite des Flusses hoere ich ein zorniges Wiehern und sehe ein schwarzes Ross auf mich zurennen. Instinktiv beginne ich davonzurennen (Waer haets gedacht…); aber ein wenig spaeter schalte ich dann: auch wenn wir damals in der Sprintstaffel den Schulrekord gebrochen haben, Bruder Pferd werde ich nicht entkommen koennen. Bleibe kurz stehen und greife zum Messer. In dieser Zeit ist das Pferd kurz stillgestanden, sieht aber, das ich nicht kollaboriere und setzt erneut zum Sprint an, ich ebenfalls. suche eine Deckung, ein Baum. Eine improvisierte Waffe… nur ausgetrocknete Aeste liegen rum…SCHEISSE!
Ich muss mich wehren! Mein Opinel, 6cm Klingenlaenge, rasiermesserscharf und mein Rucksack als Schild gegen die herrannahenden Hufe und dem verdammten Pferdegebiss….Laecherlich Davidchen gegen Goliath! Ich renne aus dem Blickfeld des Pferdes und bleibe stehen, spaehe aus der Deckung hervor. Das Pferd hat von mir abgelassen und trabt zum See, MEINEM SEE!!! und dann steht es auch noch mit den Fuessen darin und saeuft. FRECHHEIT!! Immerwieder schaut es in meine Richtung und wiehert bedrohlich. Logisch, dass auch noch der Wind von mir zum Pferd blaest…Es steigt aus dem See und beginnt den Weg zu mir einzuschlagen.
Da ich nicht Akteur eines Actiongames bin, und ich das Pferd sowieso nicht allein vertilgen koennte 😉 einige ich mich auf ein unentschieden mit meinem Widersacher und beginne den strategischen Rueckzug. Mein Marschtempo ist rekordverdaechtig, da mir mein Verfolger im Nacken sitzt. Immerwieder glaube ich Hufe zu hoeren.

Irgendwann gehts wieder steil bergab zum Flusslauf hin. Ich denke nicht, dass mein Kontrahent mir hierher folgt, und die Hand um das Stueck Kohlenstoffstahl lockert sich ein wenig. Ich folge dem ausgetrocknetem Fluss in der Richtung der ich gekommen bin; vor mir sehe ich drei grosse, fette Wildhuehner die meinen Weg kreuzen. Das waer ein Braten…
Nach einer weiteren Stunde einem Seitenarm des Flusses folgend, gehe ich bergwaerts ins Kraut. Hier schauts nicht uebel fuer ein Lager aus.

Bei der Erkundung stelle ich fest, dass wieder ein paar Heuschrecken rumgammeln. Ein weiteres Mal lasse ich mich natuerlich nicht bitten. Mit einem Stock schlage ich die Biester vom Strauch, hier helfen mir meine Kampfkuenste wieder. Leider ist der stachlige Strauch ein guter Schutz, so dass ich am Schluss nur ein Tier erledige…Wenigstens aus diesem Zweikampf gehe ich knapp als Sieger hervor 😀
Statt einem Abendessen gibt es halt nur ein Amuse-Bouche.

Ich beginne das Lager aufzubauen, mache Feuer auf meinem Hobo-Kocher (simple Dose mit Loechern drin), die trockenen Aeste brennen prima. Ich gare die Heuschrecke (ueber gewisse Fluessigkeiten und deren Farbe lasse ich mich, ruecksichtnehmend auf heiklere Wesen, nicht aus)…schmeckt aehnlich gut wie bei uns. Zum Glueck ist das Exemplar groesser als die schweizerischen.

Fuer meine Sitzgelegenheit drehe ich, wohlwissend, dass darunter Viecher zum Vorschein kommen koennen, einen Stein um. Ich sehe fast nur Sand….fast. Ein kleiner Skorpion schreit mir „Licht aus!“ entgegen. Er bewegt sich nicht und ich lasse ihn in Frieden…vorerst 😀 Es gibt also nicht nur Schlangen hier….interessant!

Danach schlage ich eine Dose Tomaten (jetzt erst kommt der kulinarische Tiefflug :D) mit zwei Steinen auf (da ich vom schweizer Sackmesser auf franzoesisches Opinel umgestiegen bin). Ich hoffe trotzdem, dass mich niemand hoert.
Altes Brot mit heissen Tomaten und einem halben Boillonwuerfel ist mein Hauptgang. Zum Dessert esse ich noch ein Stueck Salami, dass ich fuer die Nacht ein wenig Fett zum verbrennen habe.

Nachher hantiere ich nochmals mit der Fotokamera. Nach zig Versuchen funktioniert sie doch! JUHUI! Ich fotografiere mein Lager und gehe nochmals zu Kollege Skorpi, der sich inzwischen eingegraben hat. Mit einem Stoeckchen wuehle ich die Erde nochmals um. „Jetzt lass mich doch mal in Ruhe, du Arsch!“…siehe da, da isser jo 😀 . Da er sowieso ein wenig bleich wirkt, fuehle ich mich nicht so gemein. Jetzt stellt er aber wenigstens den Stachel fuers Fotoshooting auf. Und dann lasse ich ihn endgueltig in Frieden…ich hoffe er mich auch, und auf dass er nicht den Rest seiner Familie als verstaerkung holt.

Ich heize extra nochmals tuechtig ein, denn ich will die Asche nutzen um sie in einem Kreis um mein Kopfliegeplatz zu ziehen und mit Wasser zu netzen. Wasser mit Asche ergibt Aschenlauge, die reizend wirkt (nicht reizend in form von aesthetisch :D), darauf fahren Ameisi und Co nicht sonderlich ab, sodass sie lieber sonstwo rumkrabbeln als an meiner Naser herumzubouldern.

Da ich nicht weiss, ob ich in der Nacht besucht werde, beginne ich, mein Lager mit Stachelaesten zu bewehren. Diese Palisade haelt zwar einer ernsthaften Belagerung niemals stand, jedoch warnt sie mich und ich habe eventuell Zeit, Aufzuwachen, Kaffe zu trinken und zu meinem Opinel zu greifen, dass sich in einem Stueck Holz einsatzbereit haelt.

Ich schlafe etwa gleichgut wie sonst im Zelt oder in der Haengematte (was nicht „gut“ bedeutet). Da in zwei Tagen Vollmond ist, wird es nicht richtig dunkel.
Ich wache erst wieder auf, als der Mond schon fast verschwunden ist, und ueberlege ob ich langsam aufstehen soll. Als der Mond verschwindet wirds erst richtig dunkel und ich schaue mir den Sternenhimmel an. Ploetzlich sehe ich eine Sternschnuppe. Aber gruenlich-blau flackern und etwa halb so gross wie der Mond!!! Nur ein paar Sekunden, dann ist der Spuk vorbei…Keine Ahnung ob das wirklich eine Stern(mir)schnuppe war.

Trotz allem schlafe ich nochmals ein, wache erst wieder auf als es hell wird. Mein Schlafsack ist feucht, das Tarp nass. Unglaublich starker Tau! Ich stehe auf. Fruehstueck besteht aus altem Brot und einem deformierten Stengel CH- Schoggi, dazu kaltes argentinisches Hahnenwasser (fein…). Nach diesem Leckerbissen „husthust“ will ich in die Hoehe. Zurueck aber ueber die Huegel.
Es wird richtig muehsam. Es gibt keinen Weg, immer wieder zerrt mir der Stachelverhau an meiner Ausruestung. Vorwaerts, Rueckwaerts – Aufstieg, Abstieg und wieder Ausschau halten nach dem besten „Weg“. Ein stundenlanges Spiel von Hoffnung und Ernuechterung.
So und nach dene poetische Wort goemer wieder zum sarkastische Ton ueber! (Sorry Herr Spaelti :D)

Nach Stunden schaffe ich den Huegel trotzdem; irgendwo Tummeln sich Kuehe, die entsetzt fluechten. Scho klar, wenn da son zwei-meter-breit Ghaaste durufsteroidiert.
Die Aussicht ist echt genial. Mein Rucksack wird auch immer leichter, das Wasser immer weniger. Ich sehe den Adlern und Falken zu (Kondor macht wiedermal eine uf gedeckt getarnt) wie sie ihre Runden drehen. Esse den Rest der Salami und trinke den letzten Tropfen meines Wassers. Um den Fluessigkeitsverlust zu vermindern atme ich nur noch durch die Nase. Mit heissen Fuessen gelange ich Stunden spaeter im Kaff Valle Fertil an und begebe mich zur Dusche.

So und morn gahts am Valle de la Luna an Chrage. Beste Wuensche! Und falls oepper bis zu dem Satz nonig a langatmigkeit verreckt isch, doerfer sich gern bide Kommentaer itraege la und e flaesche Champagner uf eigeni Rechnig trinke!

Un Saludo Diego

PS: jetzt wotti scho sit 2 stunde dfotene ufelade und es lagged und lagged. also fotos folgen

*kaktee
*skorpi der star der stacheln
*lager „fort knox“
*Mahlzeit..



Der Teufel reitet mit…

19 02 2010

San Rafael, Mendoza

In Copahue angekommen, wundern wir uns, was wir hier ueberhaupt sollen… merkwuerdige Haueser, nur alte Leute die extrem dick eingekleidet rumgammeln. Der Reisefuehrer zeigt an, dass hier ganze 52 Leute wohnen…Bombastisch…und das nach x-stunden fahrt. Hergekommen sind wir eigentlich wegen den thermen und vulkanischen Aktivitaeten. Leider schauts ein wenig anders aus, die Therme sieht eher aus wie eine medizinische Klinik, was sie wohl auch ist. Auch wir muessen uns einem medizinischen Test unterziehen obwohl wir nicht wie die anderen Zombies aussehen.
Okay. Wir lassen das ganze ueber uns ergehen. Das Bad ist immerhin sehr entspannend (einzeln mit Badetante, die einem mit Schlauch massiert)

Erst am Tag spaeter entdecken wir, was wir eigentlich wirklich wollten. In der Naehe des Kaffs sehen wir offene Krater aus denen Heisswasser sprudelt. Es dampft und zischt. Stinkt teilweise so wie am ersten August. Ich bade meine Fuesse in einem Seelein, mit grauem heissem Wasser; herrlich!!! (wahrschinli stinkter jetzt no me,…)

Weiter weiter ins Verderben. In Norden Richtung Chos Malal. Einige hundert Kilometer Umweg muessten wir einplanen, um dem Asphalt zu Folgen. Wir schauen uns noch einen schoenen Wasserfall an, auf dem Rueckweg passiert es; ein Stein sadomaltraetiert einen Pneu. Pneuwechsel erfuellt. Einige Kilometer weiter passiert dasselbe noch einmal. Mit halbem Reifen notlanden wir in El Huecú; einem gottverlassenen Wildwest-Kaff. Ich lasse beide Pneus flicken.

Vor Chos Malal noch einen. und vor Malargue gibt der Ersatzreifen nochmals auf. Schlecht geflickt, die Naht ist aufgegangen, das urspruengliche Reserverad ist viel zu sproede und darum auch im Arsch….und wir auch. auf der Route geblieben.
Ein Pick up haelt an und nimmt mich nach Malargue, dort kaufe ich ein anderes Rad und wir kehren zuerueck zum Wrack. Am naechsten Tag bringe ich dann alles in Ordnung, nur das Portemonnaie ist wieder leichter….

Sonst alles TIPTOP