



Valle Fertil / Valle San Agustin, San Juan
Eigentlich wollte ich im Parque Nacional Ischigualasto (= Valle de la Luna /Mondtal), Trekking betreiben und mir die verschiedenen, sehr interessanten Dinge reinziehen. Da aber in Vergangenheit gewisse Leute beispielsweise Dinosaurierknochen einfach mitgenommen haben und an europaeische Museen zu verticken, darf man da nurnoch mit Fuehrer rein…soviel mal zu meinem Freund dem Menschen…
Also, Ersatzprogramm reinpfeifen. Valle Fertil ist halt dran.
Ausgangslage
Die Zone hier ist ein wenig feuchter als die Umgebung aber immernoch sehr arid (=trocken, fuer NF-Idioten). Ausgetrocknete Flusslaeufe, Kakteen an den Haengen und dichter, dornenbewehrter Strauchwald bestimmen das Landschaftsbild.
Ein verschwundener Indianerstamm hat hier gewisse Hoehlen, Zeichnungen usw hinterlassen, mal schauen ob ich Manitou noch naeher komme.
Leider ist in Vergangenheit ein Trekker mit seinen beiden Kolleginnen umgekommen, weil sie in einem ausgetrockneten Fluss (sogenanntem Wadi) gecampt haben. Weiter oben hats geregnet und sie sind fortgespuelt worden, gefunden hat man nur noch den Jungen…Konsequenz daraus, wie leider allzuoft in Argentinien: Verantwortlich ist man nicht mehr selber, sondern die Polizei. Sie macht allabendlich Patrouillen durch das Gebiet und nimmt Wildcamper mit (obs Busse gibt, ist unbekannt); ueberall stehen Schilder, dass man nicht campen darf.
Konsequenz fuer mich: ungesehen, ungehoert
Probleme sind das fehlende Wasser; das ich leider zu 100% schleppen muss; der sandige Untergrund der mir das gehen erschwert und eben die Teletubbies.
Der Flora wegen mache ich mir weniger Probleme: Es gibt Pumas und auch ein paar Schlangen: Die echte und die „falsche“ Korallenschlange (wobei mir die nicht-originale symphatischer ist, eine Klapperschlangenart, die Yarara (ein aggressives Mistvieh, das ich aus Misiones kenne), Laura irgendwas, und eine weitere mir unbekannte Schlangenart.
Ausruestung
Da ich ein Fan von Ultraleicht bin, nehme ich auch nur das Noetigste mit. Tarp/ Poncho, Schlafsack und Matte Industria Argentina (Auweiha: der Schlafsack ist aus Baumwolle! und die Matte sonst son Billigteil; wenn ich da an Ausruestungsgegenstaende aus Europa denke, kommt mir das Augenwasser…), ein wenig zu Futtern, 3,5l Wasser. Somit hat es sich im Grossen und Ganzen, der Rucksack wiegt so etwa 8kg wobei 3,5kg Wasser sind.
Die Machete (Buschmesser) bleibt im Auto….ein grober Fehler wie sich spaeter herausstellt.
Trail
Bei bestem Wetter wandere ich das erste Tal hinauf. Der Untergrund ist sandig, ich folge einem Flusslauf aufwaerts, der groesstenteils ausgetrocknet ist. Wunderschoene Felsformationen und darin wachsende Kakteen kann ich bewundern. Leider gibts davon kein Foto, weil meine Cam spinnt…das Objektiv geht nicht von alleine auf, und darum kackt sie normalerweise ab…hmpf
Das Tal oeffnet sich, da ich einerseits ungesehen infiltrier-wandern will (geils Wort :D) und anderseits ein bisschen Vegetation sehen moechte, weiche ich in den Buschwald aus. Leider ist ein Grossteil der Pflanzen mit argen Stacheln bewehrt, vom Typ DDR- Stacheldraht. Immer wieder verfaengt sich meine, aussen am Rucksack angebundene „Isolier“matte mit den Stacheln und endet immer als Verlierer. Wenns so weitergeht darf ich auf Fetzen uebernachten…grmbl.
Immer wieder hat es so eine Art wege, wo keine Pflanzen wachsen. Diese Enden dann ploetzlich…so bleibt dem Herr von und zu nichts anderes uebrig, als wieder zurueck zu tschalpen; weil er die Machete nicht mitgenommen hat. Der Irrgarten zieht sich so denn ganzen Tag durch, zum Glueck ist der Weg das Ziel. Immerwieder sehe ich einige Tierchen, zum Beispiel Heuschrecken an bestimmten Straeuchern.
Nach ein paar Stunden Ebene, bilden die Huegel ein weiteres Tal. Gehen ist nur in der Naehe des Tals moeglich, da gegen die Haenge alles undurchdringlich zugewuchert ist. Aus der Distanz sehe ich einen Tuempel und denke bei mir :“ Ich naehere mich langsam, vielleicht ueberrasche ich ein paar Tiere beim saufen“
Tja, schoen waers, die Realitaet schaut leider anders aus. ICH bin derjenige der ueberrascht wird. Von der anderen Seite des Flusses hoere ich ein zorniges Wiehern und sehe ein schwarzes Ross auf mich zurennen. Instinktiv beginne ich davonzurennen (Waer haets gedacht…); aber ein wenig spaeter schalte ich dann: auch wenn wir damals in der Sprintstaffel den Schulrekord gebrochen haben, Bruder Pferd werde ich nicht entkommen koennen. Bleibe kurz stehen und greife zum Messer. In dieser Zeit ist das Pferd kurz stillgestanden, sieht aber, das ich nicht kollaboriere und setzt erneut zum Sprint an, ich ebenfalls. suche eine Deckung, ein Baum. Eine improvisierte Waffe… nur ausgetrocknete Aeste liegen rum…SCHEISSE!
Ich muss mich wehren! Mein Opinel, 6cm Klingenlaenge, rasiermesserscharf und mein Rucksack als Schild gegen die herrannahenden Hufe und dem verdammten Pferdegebiss….Laecherlich Davidchen gegen Goliath! Ich renne aus dem Blickfeld des Pferdes und bleibe stehen, spaehe aus der Deckung hervor. Das Pferd hat von mir abgelassen und trabt zum See, MEINEM SEE!!! und dann steht es auch noch mit den Fuessen darin und saeuft. FRECHHEIT!! Immerwieder schaut es in meine Richtung und wiehert bedrohlich. Logisch, dass auch noch der Wind von mir zum Pferd blaest…Es steigt aus dem See und beginnt den Weg zu mir einzuschlagen.
Da ich nicht Akteur eines Actiongames bin, und ich das Pferd sowieso nicht allein vertilgen koennte 😉 einige ich mich auf ein unentschieden mit meinem Widersacher und beginne den strategischen Rueckzug. Mein Marschtempo ist rekordverdaechtig, da mir mein Verfolger im Nacken sitzt. Immerwieder glaube ich Hufe zu hoeren.
Irgendwann gehts wieder steil bergab zum Flusslauf hin. Ich denke nicht, dass mein Kontrahent mir hierher folgt, und die Hand um das Stueck Kohlenstoffstahl lockert sich ein wenig. Ich folge dem ausgetrocknetem Fluss in der Richtung der ich gekommen bin; vor mir sehe ich drei grosse, fette Wildhuehner die meinen Weg kreuzen. Das waer ein Braten…
Nach einer weiteren Stunde einem Seitenarm des Flusses folgend, gehe ich bergwaerts ins Kraut. Hier schauts nicht uebel fuer ein Lager aus.
Bei der Erkundung stelle ich fest, dass wieder ein paar Heuschrecken rumgammeln. Ein weiteres Mal lasse ich mich natuerlich nicht bitten. Mit einem Stock schlage ich die Biester vom Strauch, hier helfen mir meine Kampfkuenste wieder. Leider ist der stachlige Strauch ein guter Schutz, so dass ich am Schluss nur ein Tier erledige…Wenigstens aus diesem Zweikampf gehe ich knapp als Sieger hervor 😀
Statt einem Abendessen gibt es halt nur ein Amuse-Bouche.
Ich beginne das Lager aufzubauen, mache Feuer auf meinem Hobo-Kocher (simple Dose mit Loechern drin), die trockenen Aeste brennen prima. Ich gare die Heuschrecke (ueber gewisse Fluessigkeiten und deren Farbe lasse ich mich, ruecksichtnehmend auf heiklere Wesen, nicht aus)…schmeckt aehnlich gut wie bei uns. Zum Glueck ist das Exemplar groesser als die schweizerischen.
Fuer meine Sitzgelegenheit drehe ich, wohlwissend, dass darunter Viecher zum Vorschein kommen koennen, einen Stein um. Ich sehe fast nur Sand….fast. Ein kleiner Skorpion schreit mir „Licht aus!“ entgegen. Er bewegt sich nicht und ich lasse ihn in Frieden…vorerst 😀 Es gibt also nicht nur Schlangen hier….interessant!
Danach schlage ich eine Dose Tomaten (jetzt erst kommt der kulinarische Tiefflug :D) mit zwei Steinen auf (da ich vom schweizer Sackmesser auf franzoesisches Opinel umgestiegen bin). Ich hoffe trotzdem, dass mich niemand hoert.
Altes Brot mit heissen Tomaten und einem halben Boillonwuerfel ist mein Hauptgang. Zum Dessert esse ich noch ein Stueck Salami, dass ich fuer die Nacht ein wenig Fett zum verbrennen habe.
Nachher hantiere ich nochmals mit der Fotokamera. Nach zig Versuchen funktioniert sie doch! JUHUI! Ich fotografiere mein Lager und gehe nochmals zu Kollege Skorpi, der sich inzwischen eingegraben hat. Mit einem Stoeckchen wuehle ich die Erde nochmals um. „Jetzt lass mich doch mal in Ruhe, du Arsch!“…siehe da, da isser jo 😀 . Da er sowieso ein wenig bleich wirkt, fuehle ich mich nicht so gemein. Jetzt stellt er aber wenigstens den Stachel fuers Fotoshooting auf. Und dann lasse ich ihn endgueltig in Frieden…ich hoffe er mich auch, und auf dass er nicht den Rest seiner Familie als verstaerkung holt.
Ich heize extra nochmals tuechtig ein, denn ich will die Asche nutzen um sie in einem Kreis um mein Kopfliegeplatz zu ziehen und mit Wasser zu netzen. Wasser mit Asche ergibt Aschenlauge, die reizend wirkt (nicht reizend in form von aesthetisch :D), darauf fahren Ameisi und Co nicht sonderlich ab, sodass sie lieber sonstwo rumkrabbeln als an meiner Naser herumzubouldern.
Da ich nicht weiss, ob ich in der Nacht besucht werde, beginne ich, mein Lager mit Stachelaesten zu bewehren. Diese Palisade haelt zwar einer ernsthaften Belagerung niemals stand, jedoch warnt sie mich und ich habe eventuell Zeit, Aufzuwachen, Kaffe zu trinken und zu meinem Opinel zu greifen, dass sich in einem Stueck Holz einsatzbereit haelt.
Ich schlafe etwa gleichgut wie sonst im Zelt oder in der Haengematte (was nicht „gut“ bedeutet). Da in zwei Tagen Vollmond ist, wird es nicht richtig dunkel.
Ich wache erst wieder auf, als der Mond schon fast verschwunden ist, und ueberlege ob ich langsam aufstehen soll. Als der Mond verschwindet wirds erst richtig dunkel und ich schaue mir den Sternenhimmel an. Ploetzlich sehe ich eine Sternschnuppe. Aber gruenlich-blau flackern und etwa halb so gross wie der Mond!!! Nur ein paar Sekunden, dann ist der Spuk vorbei…Keine Ahnung ob das wirklich eine Stern(mir)schnuppe war.
Trotz allem schlafe ich nochmals ein, wache erst wieder auf als es hell wird. Mein Schlafsack ist feucht, das Tarp nass. Unglaublich starker Tau! Ich stehe auf. Fruehstueck besteht aus altem Brot und einem deformierten Stengel CH- Schoggi, dazu kaltes argentinisches Hahnenwasser (fein…). Nach diesem Leckerbissen „husthust“ will ich in die Hoehe. Zurueck aber ueber die Huegel.
Es wird richtig muehsam. Es gibt keinen Weg, immer wieder zerrt mir der Stachelverhau an meiner Ausruestung. Vorwaerts, Rueckwaerts – Aufstieg, Abstieg und wieder Ausschau halten nach dem besten „Weg“. Ein stundenlanges Spiel von Hoffnung und Ernuechterung.
So und nach dene poetische Wort goemer wieder zum sarkastische Ton ueber! (Sorry Herr Spaelti :D)
Nach Stunden schaffe ich den Huegel trotzdem; irgendwo Tummeln sich Kuehe, die entsetzt fluechten. Scho klar, wenn da son zwei-meter-breit Ghaaste durufsteroidiert.
Die Aussicht ist echt genial. Mein Rucksack wird auch immer leichter, das Wasser immer weniger. Ich sehe den Adlern und Falken zu (Kondor macht wiedermal eine uf gedeckt getarnt) wie sie ihre Runden drehen. Esse den Rest der Salami und trinke den letzten Tropfen meines Wassers. Um den Fluessigkeitsverlust zu vermindern atme ich nur noch durch die Nase. Mit heissen Fuessen gelange ich Stunden spaeter im Kaff Valle Fertil an und begebe mich zur Dusche.
So und morn gahts am Valle de la Luna an Chrage. Beste Wuensche! Und falls oepper bis zu dem Satz nonig a langatmigkeit verreckt isch, doerfer sich gern bide Kommentaer itraege la und e flaesche Champagner uf eigeni Rechnig trinke!
Un Saludo Diego
PS: jetzt wotti scho sit 2 stunde dfotene ufelade und es lagged und lagged. also fotos folgen
*kaktee
*skorpi der star der stacheln
*lager „fort knox“
*Mahlzeit..