Schmieden – oder auf Eisen rumhaemmern

20 03 2010

Zwischen Villa de las Rosas und San Javier, Provinz Cordoba
Immernoch verbringe ich meine Tage bei Patricio und seiner Familie. Da wir mit allen kleinen Fummlidrummlis fertig sind und keiner „richtigen“ Arbeit nachgehen koennen, habe ich Zeit um ein wenig zu Schmieden.
Respektive: Das Schmieden ist ein sehr komplexes, jahrtausendealtes Handwerk; deswegen ist „schmieden“ schon sehr hochgegriffen.
Ein bisschen theoretisches Wissen zu haben und mit einem Hammer auf rotgluehendem Eisen rumzuhaemmern wie ein Vollweicher genuegt da nicht…

Auf jedenfall; Patricio gibt mir eine kleine Einfuehrung. Auch er ist kein Schmied, sondern hat es auf argentinische Art (zuschauen und nachmachen) gelernt.
Zwei Hufeisen werden ueber Feuer erhitzt (fuer genuegend Sauerstoff sorgt ein Kompressor); spaeter auch Bunsenbrenner erhitzt.
Es ist gar nicht so einfach, teilweise en huere Stress. Mit fahrigen Bewegungen, greife ich mit der Zange das gluehende Eisen. Oft faellt es runter; wenn ich das Teil endlich auf dem Amboss habe ist es auch schon nicht mehr rot (also gut zum haemmern und formen verwertbar). Dann heisst es „Ritorno subito, und noch eins mal“.
Nochmal heiss gluehen lassen, in zwischenzeit T-Shirt ausziehen, das Teil mit der Zange greifen, nochmals nachgreifen weils nicht gut klemmt (und den „Haende-Zuhilf-nehmen“-Reflex unterdruecken 😀 ). Auf den Amboss, nach Hammer greifen und dann druffkloppe und versuchen, das Eisen irgendwie grad zu kriegen; nicht windsch, nicht schraeg…gar nicht so einfach.
Mit der Zeit geht es doch…In meinen PC- Spielen ist „schmieden“ jedoch sehr viel einfacher gegangen 😉

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Meine zwei Rohlinge (aus einem Huf geschmiedet; also aus Eisen)

 Alsbald wird mit der Flex, Schleifband usw solange am Eisen rumfurwerkelt, bis sich eine brauchbare Grundform ergiebt. Das ganze Eisen wird nun heissgemacht („anlassen“ heisst das wenn ich mich nicht irre; Schmiede bitte melden 😉 ) bis es Rot glueht und dann im Oel (oder der dreckigen Fluessigkeit; Oel wird vermutet; die wir genommen haben) abgeschreckt.

Dann wird ein Rostschutzmittel (Mein Material ist Eisen, oder gilts nach dem Anlassen schon als Stahl??; das waere demfall Kohlenstoffstahl, der nicht rostfei, dafuer umso schaerfer ist) am spaeteren Griffstueck eingeschmiert.
Dann wird der Griff fabriziert; bei meinem Archaio-Messer eine simple Schnur; beim zweiten ein komplexer Holzgriff. Macht man einen Griff muss sehr exakt gearbeitet werden, da man spaetere Fehler sieht…

Griff montieren, und Grobschliff der Klinge ausfuehren (langsam aber sicher gehts fuer mich in bekanntere Gewaesser). Ideen und Spinnereien einbauen.

Und dann ueber dem Abziehstein fuer Feinschliff sorgen. Rasierprobe erfuellt, Glueck gehabt 😉  Experiment gelungen, wobei sich wohl jeder Schmied den Kopf gegen die Wand haemmern wuerde.

Hat sehr viel Spass gemacht, ein bisschen mehr als bei der annodazumaligen USSR (unterdrueckte Schmueckli -Schmiede Ribis ->KZU Insider)

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Mein erstes Messer...aus der Eisenzeit 😉

 

mein zweites Messer. Man sieht noch die Loecher des Hufeisens

mein zweites Messer. Man sieht noch die Loecher des Hufeisens

Patricio erzaehlt mir auch, dass er einen Freund hat, den er aus der Feria (=Ausstellung; beide sind Kunsthandwerker). Jener fabriziert hauptberuflich Messer. Und somit ist auch meine naechste Station gefunden, dank Patricio. Messer ich komme…JIPPIIII!

Macheds guet!



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4 Antworten zu “Schmieden – oder auf Eisen rumhaemmern”

  • Ramón sagt:

    Ja so öppis… Hetti ned denkt, dass mer schmückli skills nomal Cha Bruche im lebe… Aber das gseht uf all fäll besser us als das gschmois us em Burgund 😀

    Immerhin chasch dich jetzt wehre wenn en Ribi aka nachtschratt im dunkle Wald uf dich zuechunt und agriift… Ich Säge nume Drachenodem – immer schön d Nase frei bhalte als früehwarnsystem.

    Take Care

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