Suedamerikanische Oekonomie oder „Back to the Roots“
10 03 2010Zwischen San Javier und Villa de las Rosas, Provinz Cordoba
Seit der letzten Woche, bin ich jetzt bei einer argentinische Familie einquartiert. Hier arbeite oder „arbeite“ und wohne ich. Am Anfang wohne ich in einer Cabaña; die normalerweise fuer Touristen gedacht ist. Sie ist MEGA MEGA SCHOEN. Vor allem kuenstlerisch extrem beeindruckend. http://www.cabanias.com/cabs/mostrar.asp?id=patricio (leider ist das WC = Highligt nicht drin) Das ganze Anwesen liegt etwa 30Meter ueber dem normalen „Waldspiegel“ und man hat eine geniale Aussicht. Ein paar Tage spaeter werde ich da ankommenden Touris aus dem Haeuschen vertrieben.
Auf jedenfall, schaut Patricio sofort nach Arbeit fuer einen Zimmermann. Er selber ist gelernter Turnlehrer, arbeitete Jahre als Kunsthandwerker, vor allem mit Kupfer und ist jetzt langsam so ins Schreiner und Zimmerhandwerk abgedriftet; wohl aus finanziellen Gruenden.
Der langen Rede kurzer Unsinn:
Seit etwa 2 Jahren geht die Primarschule in San Javier ihm schon auf den Sack. Der Grund: Sie brauchen unbedingt ein Regalgestell mit Tueren. Geld vorhanden ist natuerlich keines. Moebel….und ausgerechnet ich…toll 🙁
Na gut. Dann haben wir halt ein paar Tage gemoebelt. Das Ganze geschieht ehrenamtlich. Einerseits aus diesem Grund; andererseits wird in der Schweiz zuegiges und somit rentables Arbeiten gelehrt; habe ich eine schnelle Loesung angestrebt. Nicht so Patricio. Er hatte keine Probleme damit, sich stundenlang mit irgendwelchen Ideen rumzugammeln und sich dann schliesslich doch nochmal umzuentscheiden. So habe ich ihn (und er mich) dann auch auf den Arm genommen mit extrem uebertriebenen Ideen. Dummerweise hat er viele von denen noch gut gefunden (Kuenstler eben) und realisiert…
Schlussendlich, nach nicht enden wollender Zeit, ist das Regal inklusive Tueren mit Kunstgriffen dann doch noch zustande gekommen. Es ist wirklich SCHOEN geworden, auch wenn ich es nicht so gemacht haette.
Abgesehen von voellig verschiedenen Arbeitseinstellungen, macht das Arbeiten mit Patricio wirklich Spass. Kommen wir auf die Baustelle, wird zuerst mal ein Mate gezuzzelt. Haben wir Lust, setzen wir uns und reden ueber Gott und die Welt. Oder machen dumme Sprueche.

Links: Ich; Rechts: Patricio mit wichtigstem Werkzeug; Hinten: Tueren vom Regal
Nach getaner Arbeit instruiert Patricio (der auf Du mit der ganzen Schule ist) noch die Schueler im Umgang mit dem neuen Moebel. Die Kruemelmonster sind zwischen 6-8 Jahren alt. Es paar sind herzig 😉
Und dann gehts auf zur naechsten Baustelle. Auftrag hier; man glaubt es kaum; Baumstaemme behauen per Dechsel (Also nicht mit der Breitaxt wie anno dazumal ueblich bei uns).
Es geht darum, dem Dach ein spezielles Aussehen zu verleihen (damit meine ich nicht das fachlich falsche Bauen, wie es hier leider oft vorliegt). Stichwort „Rustico“.
Aufgehts! Da die Axt doch recht unerotische Scharten ins Schienbein schneiden kann, lege ich blecherne Schoner an. Scheppern tut das ganze wie bei der Schlacht von Morgarten. Meine vom Reisen doch recht baby-fudige Haende, sind sich die derbe Arbeit nicht gewohnt und ich kriege blasen (JA! das gits au bi mir ;))
Abwechselnd axtet einer, der andere schleift glatt. Die ganze Morerei fuer 10Peso pro Meter (das rentiert selbst hier nicht). So arbeiten wir auch bis abends spaet. Unterbrochen wird das ganze mit Matepausen und Gespraechen und Spaessen mit den Maurern

Don Diego de la Sierra mit Patricio ganz rechts und zwei Maurerkollegen
Ratet mal wer nachher das Dach baut…RICHTIG. Der Maurer (das waer dann dem Zimmermann ins Gsicht gseicht). Janu, mit dem Kackrundholz wetti eh keis Dach mache :p
Da es hier wenig Bauholz und Holztradition gibt, machen ein paar Handwerker (die den Rest offerieren) gerade alles (vllt ohne Installationen) und das sind eben in der Regel Maurer.
Soviel zum Thema Oekonomie, Arbeitstrennung und Tradition!
Ich wuensch eu!
Huet soells aschinend ufde Baustell en Asado als Richtfest gaeh mit brutal vill Fleisch und zsuufe. Muesi unbedingt ane, macheds guet! 😀
Lol de Diego findet es paar goofe doch no härzig, hätti nie dänkt 🙂
es git dini bricht aso au in positiv.?!